Betriebsratspraxis: So wird Urlaub mit 3 Regeln zum psychischen Arbeitsschutz!

Auf den ersten Blick dient Urlaub unbedingt auch nicht der der körperlichen, sondern gerade auch der seelischen Erholung. Aber es gibt einige Fallen, die dazu führen, dass die Arbeitnehmer nicht zu dieser Erholung kommen. Die 3 wichtigen Regeln, die jetzt am Anfang des Jahres umgesetzt werden sollten, erläutere ich Ihnen in diesem Artikel.

Urlaub im Arbeitsalltag – ein so komplexes Thema, dass es dazu extra ein Gesetz gibt, das Bundesurlaubsgesetz (BurlG). Aber auch in der Stressforschung gibt es mittlerweile wichtige Studien und Erfahrungen, die Sie unbedingt wissen sollten. Denn in meinem Alltag als Sachverständiger für psychischen Arbeitsschutz beobachte ich sehr oft unnötige psychische Belastungen – dabei sind es nur die folgenden drei Regeln, die Sie mit dem Arbeitgeber abstimmen sollten:

Regel 1: Einhaltung der Urteile und Gesetze

Das klingt sehr einfach und selbstverständlich – aber oft wissen auch Arbeitgeber nicht, dass sie durch die eine oder andere Vorgehensweise gegen geltendes Recht verstoßen. Der Betriebsrat hat übrigens bei der Erstellung allgemeiner Grundsätze (Urlaubspläne, Betriebsferien etc.) ein Anhörungsrecht. Achten Sie auf folgendes:

  • Resturlaub auf das nächste Jahr? Nicht selbstverständlich! Das Gesetz sieht vor, dass der Urlaub in dem Jahr genommen werden muss, in dem er entsteht. Legen Sie jetzt schon Wert darauf, dass die Arbeitnehmer den gesamten Urlaub für das Jahr 2017 verplanen können. Informieren Sie diese auch darüber, dass es keine feste Regel ist, Urlaub „einfach mal so“ auf das nächste Jahr zu verschieben.
  • Mindestdauer 12 aufeinanderfolgende Werktage! Gerade Urlaube, die als einzelne 2-3 Tages-Abschnitte über das ganze Jahr verteilt werden, bringen KEINEN Erholungseffekt. Deshalb schreibt das Gesetz diese Mindestdauer vor – und sie sollte auch eingehalten werden.

Regel 2: Keine Erreichbarkeit im Urlaub

Grundsätzlich gilt: Erholung geht vor Erreichbarkeit. Der Gesetzgeber erlaubt aber auch – vor allem bei Führungskräften – Ausnahmen, die dann im Arbeitsvertrag hinterlegt sein müssen. Aber auch hier gilt: Nicht jede Regelung ist rechtskonform! Ein Diensthandy bedeutet auch nicht zwangsweise, dass Anrufe, Emails oder andere Nachrichten angenommen werden müssen. Erreichbarkeit kann aber tatsächlich verlangt werden, nämlich wenn eine Rufbereitschaft im Arbeitsvertrag vereinbart wurde.

Regel 3: Entspannung organisieren

Viele Arbeitnehmer machen Sie während dem Urlaub Sorgen und Gedanken darüber, was gerade am Arbeitsplatz passiert. Das muss nicht unbedingt die eigentliche Arbeit betreffen – es geht schon zum Beispiel damit los, dass unklar ist, wer versehentlich eintreffende private Email lesen könnte. Durch eine effektive Organisation VOR dem Urlaub können diese Bedenken ausgeräumt werden:

  • Veranlassen Sie, dass es eine klare Stellvertreterregelung gibt, die für Emails und auch Kalendereintragungen gelten kann
  • Sorgen Sie dafür, dass alle Emails mit einem Standardtext beantwortet werden (in der letzten Ausgabe hatte ich dazu schon berichtet). Dieser Standardtext teilt mit, dass der Empfänger die Emails gerade nicht lesen kann und alles Wichtige an eine andere Adresse geschickt werden soll.
  • Veranlassen Sie, dass eventuell notwendige Passworte in einem versiegelten Kuvert z.B. beim Datenschutzbeauftragten hinterlegt werden.