Gefährdungsbeurteilung: Arbeitsplatzunsicherheit folgt Burnout

Auf Unsicherheit folgt Burnout.

Befristete Verträge, strenge Beurteilungskriterien und zunehmender Druck führen besonders in großen Unternehmen zu steigenden Krankheitszahlen durch Burnout und Depression

„Das erschöpfte Selbst“ nennt es der Arbeitssoziologe Alain Ehrenberg. In seinem gleichnamigen Buch beschreibt er bereits im Jahr 2008 ein Phänomen, das bis heute zahlenmäßig deutlich zugenommen hat und zur Realität in vielen Unternehmen gehört: Die psychische Erkrankung von Arbeitnehmern aufgrund von hoher Arbeitsbelastung, chronischem Stress und steigendem Effizienzdruck in Wirtschaftsbetrieben. So hat nach einer Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Betriebsforschung die Zahl der Arbeitnehmer mit einem befristeten Vertrag seit 1996 tendenziell zugenommen. Wie ein Damoklesschwert schwebt das drohende Ende des Beschäftigungsverhältnisses über den Arbeitnehmern, die sich selbst dadurch hohe Leistungsgrenzen setzen. Ein weit verbreitetes Phänomen besonders unter jungen Akademikern. Unter dem Stichwort Burnout Syndrom werden alle Symptome zusammengefasst, die sich ursächlich auf hohe Arbeitsbelastung und eine unausgeglichene Work-Life-Balance zurückführen lassen. Vor allem in großen Dax-Unternehmen, in denen eine strikte Leistungsbewertung des einzelnen Mitarbeiters eine permanente Kontrolle darstellt, fühlen sich Arbeitnehmer belastet und einer unterschwelligen Bedrohung ausgesetzt. Vielfach führt dies zu Krankmeldungen aufgrund von Symptomen wie Erschöpfung, Kopf- und Rückenschmerzen, Migräne, Depressionen und Tinnitus, wie Studien der Techniker Krankenkasse und der DAK-Gesundheit jüngst wieder herausgestellt haben. Noch nie war die Zahl der Krankentage durch Depressionen so hoch wie aktuell gemessen.

Arbeitgeber greifen auf die Unterstützung von Experten der Balance-Helpcenter zurück

Wenn der Arbeitnehmer nicht als Mensch sondern nur unter Effizienzgesichtspunkten wahrgenommen wird, ist das für einzelne oftmals schwierig auszuhalten. Die Folge sind dann häufig psychosomatische Erkrankungen. Weil man diesen Zusammenhang auch in Unternehmen erkannt hat und die steigenden Kosten durch Fehltage der Mitarbeiter registriert, findet aktuell ein Umdenken statt. Auch der Gesetzgeber sieht die Unternehmen mehr in der Pflicht. Um die psychischen Gefährdungsgrundlagen in Betrieben zu analysieren, greifen viele Arbeitgeber auf die Unterstützung von Experten der Balance-Helpcenter zurück. Deren Auditoren eröffnen Perspektiven, wie am Arbeitsplatz gezielt einer psychischen Erkrankung der Mitarbeiter vorgebeugt werden kann. Stichwort: Verhältnisprävention. Darunter werden alle Faktoren zusammengefasst, die zu einer positiven Ausgestaltung des Arbeitsplatzes beitragen. Ziel dabei ist die Gestaltung gesundheitsförderlicher Arbeitsstrukturen. Aus Unternehmerperspektive macht diese präventive Maßnahme aus zweierlei Gründen Sinn: Sie dokumentiert betriebliches Gesundheitsmanagement mit Blick auf psychische Erkrankungen und entlässt Arbeitgeber dadurch aus der Haftung, wenn eine Depression nachweislich im Zusammenhang mit chronischem Stress steht. Außerdem führt sie zur Abnahme von Krankentagen und damit von Kosten im Unternehmen.

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